Startseite

Theoretische Einbettung

Die Grüne Stadt – eine Annäherung

Im wissenschaftlichen Kontext werden Konzeptionen wie die Grüne Stadt oder Green Urbanism häufig für die Charakterisierung von Räumen herangezogen, die als „smart, secure and sustainable“ gelten und damit einhergehend eine Vielzahl von Ansätzen umfassen: Angefangen bei nachhaltigen und klimaneutralen Verkehrsmodellen über erneuerbare Energiequellen und Ressourceneffizienz bis hin zur Integration und Interaktion von Mensch und Natur in urbanen Umgebungen.  
Die Kernelemente unterliegen einer kontinuierlichen Transformation, die Hand in Hand mit aktuellen sowie zukünftigen Herausforderungen erfolgt.

Wird die Definition hingegen enger gefasst, versteht man unter einer Grünen Stadt eine Stadt, die auf vielfältigen und weitläufigen natürlichen Ökosystemen basiert. Diese erstrecken sich sowohl im öffentlichen als auch privaten Wohnraum und sind für jegliche Bewohner zugänglich.       
Unterschieden werden kann zwischen wohnungsbezogenen, wohngebietsbezogenen, stadtteilbezogenen und stadt- bzw. regionsbezogenen Grünräumen.       
Eine Vernetzung der Grünzonen soll deren Wohlfahrtsfunktion maximieren und eine alltagsnahe Verfügbarkeit sicherstellen. In diesem Fall lässt sich die Green-City – trotz zahlreicher Überlappungen – von anderen Konzepten wie der Smart City, der Just City oder der Resilienten Stadt deutlicher abgrenzen, wenngleich sich alle Ansätze als Teilaspekte der Sustainable City lesen lassen.

Funktionen und Leistungen der Grünen Stadt

Grünflächen in unterschiedlichster Ausprägung (Parks, Bäume und Wälder, Gärten, Dach- und Fassadenbegrünung) erfüllen im urbanen Raum verschiedene Funktionen. Die Implementierung von sogenannten nature-based solutions bietet gleichzeitig ökologische, soziale und wirtschaftliche Vorteile und soll in besonderem Maße zum menschlichen Wohlergehen beitragen. Im Unterschied zu anderen Klimaanpassungsmaßnahmen kann mit städtischem Grün auch eine Ansprache von Anwohnern, Besuchern und Touristen auf emotionaler Ebene gelingen.

Das Konzept der ökologischen Dienstleistungen oder urbanen Ökosystemleistungen zielt darauf ab, die Erfassung und Bewertung von eben jenen Leistungen zu ermöglichen, die von der (städtischen) Natur bereitgestellt und von der Gesellschaft in Anspruch genommen werden. Hierbei kann es sich um Versorgungsleistungen (Bereitstellung von Nahrung, Wasser, Rohstoffen), Regulationsleistungen (Abbau/Rückhalt von Schadstoffen, Temperaturregulation), kulturelle Dienstleistungen (Naherholung, kulturelle Identität, Ästhetik, Forschung) oder unterstützende Dienstleistungen handeln. Nicht alle Leistungen werden von der Gesellschaft bewusst wahrgenommen oder genutzt und ebenso können nicht alle monetär bewertet werden, sodass der ökonomische Nutzen nicht immer direkt quantifizierbar ist . Eine solche Herangehensweise erfährt ihre Legitimation dadurch, dass die Integration von Natur in politischen Entscheidungsprozessen verbessert werden kann, sobald deren Leistungspotenziale konkret erfasst werden können.

Weitere Leistungen wie die Auswirkungen als Standortfaktor oder auf den Immobilienmarkt lassen sich der Dienstleistungsökologie nicht zuordnen, nichtsdestotrotz spielen sie eine wesentliche Rolle. Schließlich wirken sich solche Kampagnen auf den internationalen Ruf einer Stadt aus und üben dadurch Einfluss auf Standortentscheidungen ausländischer Unternehmen und Investoren aus, sodass eine Green City gleichermaßen zur Marketing- und ökonomischen Entwicklungsstrategie instrumentalisiert wird.

Green-City Singapur

Schon im Jahr 1963 hatte der damalige Premierminister Lee Kuan Yew die Vision, Singapur in eine „cleane“ und „grüne Gartenstadt“ zu verwandeln, nachdem Singapur seine Urwälder und natürliche Vegetation bereits fast vollständig verloren hatte.  Trotz oder gerade wegen Herausforderungen wie der hohen Bebauungsdichte und der begrenzten Ressourcen setzte er auf ein Baumbepflanzungsprogramm. Denn insbesondere als die Wohnungsbauprogramme des HDB an Dynamik gewannen, wuchs im gleichen Zuge die Notwendigkeit, die bebaute Umwelt mit etwas Natürlicherem auszugleichen. Das Programm zielte nicht nur darauf ab, die Stadt umweltfreundlicher zu machen und den enormen jährlichen Niederschlag bestmöglich aufzufangen und wiederzuverwerten (Schwammstadt-Prinzip), sondern bediente auch bevölkerungspolitische Ziele wie die Stärkung des allgemeinen Umweltbewusstseins oder des nationalen Zusammenhalts. Darüber hinaus sollten die Maßnahmen Singapur attraktiver für ausländische Direktinvestitionen und Tourismus machen.

Die zugrundeliegende Idee durchlief in den folgenden Jahrzehnten mehrere Transformationen. So wandelte sich die Idee der Gartenstadt (Garten in der Stadt) erst zur Stadt im Garten und Ende des 20. Jahrhunderts dann zur Tropical City of Excellence, die von der URA mit Fokus auf grün-blaue Schwerpunkte geplant wurde. Heutzutage zeichnet sich eher eine Annäherung an eine Stadt in der Natur ab, in welcher das Leben entsprechend den natürlichen Gegebenheiten stattfinden soll. Das bedeutet, dass sich insbesondere bei der Begrünung an der natürlichen Umwelt orientiert werden soll, um durch einheimische Bepflanzung natürliche Strukturen nachzubilden und ebensolche typisch tropischen Ökosysteme zu schaffen. Der Fokus liege demnach viel mehr auf einer naturalistischen als einer gartenähnlichen Umgebung. Ein weiteres Ziel ist es, den Bewohnern den alltäglichen Kontakt mit der Natur zu erleichtern und die Beziehung zwischen konstruierten und natürlichen Aspekten der städtischen Umwelt zu stärken, sodass beide Umgebungen in einer vollständig umgesetzten Version der Vision fließend ineinander übergehen und der tropische Charakter Singapurs omnipräsent ist. Es ist diese Hinwendung zur City in Nature, die den Charakter Singapurs und dessen internationales Branding sowie die Unterscheidbarkeit zu anderen grünen Stadtentwicklungsstrategien weltweit ausmacht.